Sportboot / Killerwelle

A: Neulich hat sie mit ihren Eltern einen Film geschaut und dann kam eine Sexszene und sie wurden alle sehr still und unangenehm und heimlich sexuell erregt und offen peinlich berührt und sie hat sich dann Trockenobst aus der Küche geholt. B: Neulich stand sie mit ihrem Chef bei der Betriebsfeier und hat sich mit ihm unterhalten. Sie hat ihm Fragen über seine Urlaubspläne, seine Wohnsituation, seine Familienkonstellation, seine Hündin, seine Herkunft und seine Kündigung an seiner alten Arbeitsstelle befragt. Er hat geantwortet und ihr fiel nichts mehr ein. Dann hat er sich eine zweite Currywurst geholt. A: Neulich stand sie in ihrem Wohnzimmer und hatte ein Ehepaar zu Besuch, die die Wohnung besichtigt haben. Sie haben sie gefragt, ob in der Gegend viele Ausländer wohnen und ob es Probleme gibt. Sie hat die Probleme verneint und Kombucha-Tee getrunken. B: Neulich wurde ihr klar, dass sie auf der Bühne am besten ist, wenn sie keinen Text hat. Wenn sie spricht oder singt, beginnt sie sich zu kontrollieren. Spielt sie stumm, legt sie in ihre Mimik und Gestik so viel Ausdruck, dass es die fehlende Sprache aufwiegt. Muss sie sprechen, kriegt sie Angst. Deshalb will sie demnächst ein Stück ohne Text aufführen. A: Neulich wollte sie ein paar Leute wüst beschimpfen. Sie hat sich nicht getraut.

Gewinnerproduktion des Schweizer Theaterförderpreises „Tankstelle 2016“

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Jahr: 2015/16
Von: Alper Kazokoglu, Pauline Jacob
Text: Pauline Jacob
Mit: Maximilian Reichert, Julia Skof, Anna Eberle, Franz Stocker, Katja Lafranchi, Dominik Chanson, Colin Baltenswiler, Thea Runkel, Sarah Wüst, Pauline Jacob
Ort: Südpol Luzern
Fotos: Ingo Höhn